Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Genauer gesagt habe ich ziemlich genau eine Woche darüber nachgedacht. Und dann dachte ich mir: „Why not?“ Seit wann interessiert mich eigentlich, was andere über mich denken. Also schreibe ich jetzt darüber.
Habt ihr letzte Woche den Super Bowl gesehen? Und wer jetzt nicht weiß, was der Super Bowl ist… der darf an dieser Stelle gerne aufhören zu lesen.
Nein, Spaß. Bleibt hier und lest weiter.
Der Super Bowl ist vermutlich das größte jährlich stattfindende Sportevent der Welt. Es ist das Endspiel der NFL, und am Ende wird der Meister der American-Football-Profiliga gekrönt.
Wer bis hierhin gelesen hat und sich immer noch fragt: „Was ist American Football?“… bitte geht wirklich.
Neben dem eigentlichen Spiel und den Werbeeinblendungen in den Pausen ist das größte Highlight das Event im Event: die Halftime Show. Hier gibt sich Jahr für Jahr das Who-is-Who der Musikbranche die Klinke in die Hand. Von Lady Gaga über Michael Jackson bis hin zu Katy Perry waren sie alle schon dabei und haben die Welt mal mehr, mal weniger begeistert.
Dieses Jahr war es Bad Bunny.
Jetzt fragt ihr euch vielleicht zurecht: „Wer ist Bad Bunny?“
Ich bin ehrlich, diese Frage habe ich mir auch gestellt. Aber ich habe mir sagen lassen, dass dieser Bad Bunny in den USA und Südamerika ein absoluter Megastar ist.
Kurz zur Erklärung: Bad Bunny ist ein aus Puerto Rico stammender US-amerikanischer Latin-Rap- und Reggaeton-Sänger. Mit 19,8 Milliarden Spotify-Streams war er im Jahr 2025 der erfolgreichste Musiker der Welt.
Naja gut. Ich kannte ihn tatsächlich vor dieser Show nicht. Aber zum Glück bin ich ja nicht der Maßstab.
Aber zurück zum eigentlichen Thema: Dieser knapp-20-Milliarden-Streams-Künstler hatte seinen Auftritt auf wahrscheinlich der größten Bühne der Welt.
Und wir blenden jetzt mal kurz aus, dass der Auftritt – zumindest für mein Empfinden – unter aller Kanone war. Das Bühnenbild war, wie die Kids heutzutage sagen würden, irgendwie weird. Das böse Häschen war kaum zu verstehen, die Tonübertragung war maximal durchschnittlich, und das, was man hätte hören können, hat Benito gekonnt weg genuschelt.
Aber darum soll es in diesem Blog gar nicht gehen.
Vielmehr möchte ich mit euch über den Auftritt an sich sprechen.
Denn dieser war vollgepackt mit politischen Botschaften. Der Rapper hielt während seines Auftrittes einen Football in der Hand, mit der Aufschrift: „Gemeinsam sind wir Amerika“. Das soll wohl eine klare Botschaft in Richtung der Regierung sein, besonders im Thema Abschiebepolitik in den USA.
Während des Auftrittes schaute er in die Kamera und sagte: „Gott segne Amerika“ – und zählte neben den USA zahlreiche lateinamerikanische Länder auf.
Bei einem Gastauftritt sang Ricky Martin (Sänger aus Puerto Rico stammend) eines der politischsten Lieder des aktuellen Bad-Bunny-Albums: „Lo que le pasó a Hawaii“ (deutsch: „Was Hawaii passiert ist“). Darin kritisiert er die kulturelle Übernahme Hawaiis durch die USA, das gleichzeitig mit Puerto Rico unter die Herrschaft der Vereinigten Staaten geriet.
Und jetzt stelle ich mir einfach die Frage:
Muss das sein?
Ich meine, es ist natürlich gut, wenn sich jemand klar positioniert. Aber muss man wirklich die Bühne des Super Bowls nutzen, um politische Botschaften in die Welt zu schicken?
Worum soll es denn bei der Halftime Show gehen?
Die Leute im Stadion und zuhause rund um den Globus schauen dieses Event doch, um Spaß zu haben. Sie wollen ein tolles Spiel sehen. (Btw: Das Spiel war Mist.) Sie wollen feiern, gute Musik hören und einfach eine gute Zeit haben.
Ich denke, das ist nicht der richtige Ort, um politische Statements zu setzen.
Und vielleicht bin ich damit auch altmodisch.
Aber manchmal wäre es auch einfach schön, wenn für einen Moment alles einfach nur Ablenkung wäre.
Keine Agenda. Keine Botschaft. Kein Kommentar zur Weltlage.
Einfach nur Musik. Einfach nur Unterhaltung.
Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist das auch einfach nicht mehr die Zeit dafür.
Aber manchmal wünsche ich mir, dass nicht alles immer eine Botschaft haben muss.
Manchmal reicht es doch schon, wenn man einfach nur kurz abschalten darf.
Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam. – In diesem Sinne.


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