Köln, die Pilgerstätte für Gamer
Die Gamescom – jedes Jahr das Highlight für Zocker jeden Alters. Köln wird zur Pilgerstätte, und unzählige Menschen drängen sich in viel zu schlecht klimatisierte Messehallen. Das Ritual ist immer gleich: fünf Stunden in der Schlange stehen, um zehn Minuten ein Spiel anzuspielen – oder wie es im Gamer-Slang heißt: „anzocken“. Klingt romantisch, fühlt sich aber eher an wie ein Langstreckenlauf mit Zielverpflegung.
Cosplay zwischen Respekt und Fremdscham
Natürlich gehören Cosplayer zur Gamescom wie Energy-Drinks zu LAN-Partys. Einige von ihnen investieren unfassbar viel Arbeit und Herzblut in ihre Kostüme – und davor habe ich echten Respekt. Wenn in den Hallen 35 Grad herrschen, dann wird so ein Cosplay schnell zum tragbaren Backofen.
Aber dann gibt es auch die Sorte, bei der ich mir denke: „Bro, cool, dass du den Superhelden feierst – aber such dir nächstes Mal vielleicht ein Kostüm, das nicht aussieht, als hättest du es beim Karneval im Sonderangebot gezogen.“ Kein Bodyshaming – jeder soll sich so ausleben, wie er will. Aber ein bisschen Realitätssinn schadet auch auf der Gamescom nicht.
Influencer – der 127. Vlog aus Halle 9
Und dann sind da noch die selbsternannten Influencer. Jeder Zweite hält sein Handy in die Höhe, um stolz den 127. Vlog zu drehen, in dem er verkündet, dass er gerade in Halle 9 steht. Vielleicht klicken sogar drei Zuschauer rein – Mutti, der beste Kumpel und ein Bot. Die wirklichen „Stars“ der Szene sieht man dagegen so gut wie nie. Die haben nämlich ihre eigenen Bereiche, fernab vom Gedränge, schön abgeschottet von den Normalsterblichen.
Creator-Bereich: Paradies ohne Massenstress
Ich hatte dieses Jahr das Glück, durch einen guten Freund den Creator-Bereich zu betreten. Und ja, ich gebe es zu: Das hat was. Keine drängelnden Massen, keine gefühlten 200 Grad, stattdessen Ruhe, gratis Getränke und Süßkram bis zum Umfallen. Ich könnte mich dran gewöhnen. Man fühlt sich sofort so, als hätte man den nächsten „VIP-DLC“ freigeschaltet.
Messe-Preise: Cheeseburger oder halbe Monatsmiete?
Für alle anderen gilt: zahlen, zahlen, zahlen. Wer Durst hat, darf an den Ständen tief in die Tasche greifen. 4 Euro für ein Wasser – wahrscheinlich frisch gezapft aus der Messe-Toilette. Essen? Ein Cheeseburger für 13 Euro oder Pommes für 8 Euro. Das ist kein Catering, das ist kulinarische Wegelagerei. Da fragst du dich ernsthaft: „Will ich essen oder im September noch Strom haben?“
Das Schlimme ist: Es funktioniert. Jeder zahlt. Weil die Alternative wäre, nach acht Stunden Wartezeit einfach ohnmächtig aus der Schlange zu kippen.
Fazit: Ich geh wieder hin
Und trotzdem – ja, ich gebe es zu – ich war da. Ich habe gezahlt, geschwitzt, geschimpft. Und nächstes Jahr? Stehe ich wieder in der Schlange, esse überteuerte Fritten und tue so, als würde ich alles hassen. Weil die Gamescom am Ende genau das ist: ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen Folter – und genau deshalb jedes Jahr Pflicht.
Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam. In diesem Sinne.


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