Ja, ich weiß. Ich war weg. Eine ganze Weile sogar. Mein Blog ist eingeschlafen, mein Social-Media-Auftritt hat Spinnweben angesetzt. Die Gründe? Das übliche Paket: Faktisch wenig Zeit und in den Momenten, in denen ich sie gehabt hätte, fehlte die Motivation. Ich hätte euch irgendwas von „kreativer Pause“, „digitalem Detox“ oder „Findungsphase“ vorlügen können, aber bleiben wir ehrlich: Ich hatte einfach keinen Bock, in die Tasten zu hauen. Punkt.
Aber hey, wir haben 2026. Jetzt wird alles besser… oder zumindest anders.
Wer von euch kennt diesen Satz? Ich gebe zu, ich habe ihn auch schon gesagt. Nicht unbedingt auf das Jahr 2026 bezogen, aber die Grundaussage bleibt seit Jahrzehnten die gleiche kollektive Lüge. „2018 wird mein Jahr!“ oder „2023 kremple ich mein Leben komplett um!“ Das klingt super auf einer Neujahrskarte oder als Caption unter einem Champagner-Selfie, ist aber in 99 % der Fälle reines Wunschdenken. Reden wir uns die Welt nur schön, um nicht wahnsinnig zu werden?
Lasst mich das kurz erklären. Jeder hat diesen einen Freund. Diesen gnadenlosen Optimisten, der fest davon überzeugt ist, dass das Anbringen eines neuen Wandkalenders die physikalischen Gesetze seines Lebens aushebelt. Als würde der Wechsel von der 5 auf die 6 am Ende der Jahreszahl plötzlich alle Probleme wegzaubern. Als ob das Universum sagt: „Als ob das Universum sagt: ‚Oh, Tyler hat jetzt einen Kalender mit Bergmotiven, dann wird 2026 alles besser!“
Aber was ändert sich denn wirklich? Wir alle rennen am 2. oder 3. Januar wieder in denselben Job, der uns schon im Dezember massiv genervt hat. Wir haben exakt dasselbe Verhältnis zu Sport und Ernährung wie noch vor vier Tagen. Du lässt dich immer noch in deinem 40-Stunden-Ehrenamt ohne Bezahlung ausbeuten und wunderst dich, warum am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Warum zum Teufel sollte 2026 dein Jahr werden, wenn du offensichtlich absolut gar nichts an deinen Mustern geändert hast?
Vielleicht liegt es daran, dass wir gelernt haben, unsere Situation einfach zu akzeptieren. Wir stumpfen ab. Wir nehmen die Schläge hin und nennen es „Resilienz“. Schaut euch doch mal um: In meinem direkten Umfeld hat sich ein Paar nach Jahren der Beziehung getrennt. Ist das jetzt „besser“? Für einen der beiden vielleicht, weil er endlich die Flucht geschafft hat. Für die Kinder? Wohl eher kaum. Aber es ist eben „anders“. Ein Umbruch, der weh tut, aber als „Neuanfang“ verkauft wird.
Draußen vor der Haustür sieht es nicht viel rosiger aus. Lebensmittel werden immer teurer, während die Packungen gefühlt schrumpfen. Autofahren wird bald zum Luxusgut für die besonders Privilegierten – wer kein Gold im Garten vergraben hat, kann bald zusehen, wie er von A nach B kommt. Und dann ist da noch Donald Duck… äh Trump, meine ich natürlich. Der Typ ist weiterhin auf der Suche nach dem Kaufvertrag für Grönland. Er will sich das größte Winterwunderland der Welt unter den Nagel reißen, wahrscheinlich um dort goldene Hotels für Leute zu bauen, die sich das Klima-Chaos von oben anschauen wollen.
Und hier bei uns? Man muss sich fast schon entschuldigen, wenn man nicht zu denen gehört, die ihr Kreuz bei den Blauen gemacht haben. Die Stimmung ist gereizt, der Diskurs ist tot, und jeder wartet nur darauf, dass der andere einen Fehler macht. Hat das wirklich das Potenzial für ein „besseres“ Jahr? Ich glaube kaum. Es ist wohl eher ein verzweifelter Schrei danach, dass es dringend nötig wäre, dass 2026 Dinge anders werden.
Was sich bei mir auf jeden Fall schon mal verändert hat, ist der Look meines Blogs. Vielleicht habt ihr es ja gemerkt, während ihr euch durch diesen Text geklickt habt. Wenn nicht? Auch egal.
Ich für meinen Teil kann sagen: 2026 wird vieles anders für mich. Ob es wirklich besser wird? Wir werden sehen. Schauen wir mal, ob wir in zwölf Monaten immer noch dieselben hohlen Phrasen dreschen oder ob wir endlich mal anfangen, die Dinge wirklich anzupacken.
Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam. – In diesem Sinne.


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