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Wann war eigentlich der Punkt, an dem wir aufgehört haben, uns für andere zu freuen?

Oder anders gefragt: Wann haben wir angefangen, alles und jeden schlechtzureden. Nur damit wir uns selbst besser fühlen?


Ein Beispiel aus meinem Alltag

Lasst mich euch ein Beispiel geben.
Ich stehe im Raucherbereich unserer Firma. Zigarette in der Hand.

Und bevor jetzt die Moralpolizei anrückt: Ja, ich weiß, Rauchen ist ungesund. Ja, es ist teuer. Und ja, wenn es den magischen Schalter gäbe, um einfach aufzuhören, hätte ich ihn schon umgelegt. 3-mal. Leider gibt’s den nicht. Also rauche ich weiter und lasse mich weiterhin belehren.

Aber zurück zum Thema: Ich stehe also mit meiner Fluppe in der Hand im Raucherbereich. Neben mir zwei Arbeitskollegen. Man kommt ins Gespräch, ob man will oder nicht. Und nach dem üblichen Smalltalk geht’s los.

Sätze wie:
„Ach, der Kollege hat jetzt auch einen Firmenwagen.“
Oder: „Oh, die feine Dame kommt auch schon zur Arbeit.“

lassen dabei nicht lange auf sich warten. Und ich frage mich: Seit wann gönnen wir anderen eigentlich nichts mehr?


Vom Hof ins Internet

Im echten Leben nervt das schon. Online ist es noch schlimmer.
Ich verbringe, wenn ich mich nicht gerade bei der Arbeit ärgere, sehr viel Zeit im Internet. Vielleicht auch mehr, als für den normalen Menschenverstand gesund wäre, aber naja.

Die meiste Zeit hänge ich tatsächlich auf Twitch und Co. ab, auch weil ich den ein oder anderen dieser sogenannten Streamer persönlich kenne. Aber das soll jetzt nicht das Thema sein.

Und auch hier fällt es mir immer wieder auf.
Wie oft habe ich Sätze gehört wie:
„Der Typ hat jetzt auch einen XY-Deal?! Dabei ist er doch ein Vollidiot.“
„Ich verstehe gar nicht, wie man sich so etwas antun kann. Der Content ist kompletter Müll.“

Ganz ehrlich: Wenn er den Deal bekommt und damit seine Miete zahlen kann – was genau ist daran schlimm? Wenn dir sein Content nicht gefällt, dann schalte doch einfach weiter. Oder geh schlafen.

Da sind wir wieder an dem Punkt, an dem ich mich ernsthaft frage: Wann haben wir damit aufgehört, uns für unsere Mitmenschen zu freuen?


Noch ein Beispiel gefällig?

Es hört ja nicht bei Autos oder Streamer Deals auf. Manchmal wird sogar darüber gestritten, ob etwas „echt“ genug ist. Ob jemand etwas wirklich so gemacht hat, wie es andere für richtig halten. Am Ende ist das doch nur der nächste Aufhänger, um irgendwas kleinzureden. Statt sich zu freuen, dass jemand etwas geschafft hat, wird lieber das Haar in der Suppe gesucht.


Vielleicht nur ein Trick fürs Ego?

Vielleicht ist das am Ende einfach nur unsere weirde Art, uns ein kleines bisschen größer zu fühlen. Indem wir uns vergleichen, anstatt uns einfach mal zu freuen. Vielleicht steckt da gar keine böse Absicht dahinter – vielleicht ist es nur Gewohnheit. Ich weiß es nicht.
Aber ich für meinen Teil: Ich gönne jedem seinen Firmenwagen, seinen Deal oder die freie Arbeitszeit. Solange mir damit keiner auf den Sack geht.

Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam. In diesem Sinne.


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