Ein ganz normaler IKEA-Besuch – oder doch nicht?
Gestern war wieder einer dieser Tage, an denen ich dachte: Das wird ein entspannter Nachmittag.
Spoiler: wurde es nicht.
Meine Frau und ich waren bei IKEA. Eigentlich nur, um „mal zu schauen“. Was im Klartext bedeutet: vier Stunden durch ein skandinavisches Labyrinth voller Kissen, Regale und Schlafzimmer, von denen wir 98 % weder brauchen noch wollen.
Vier Stunden, zwei Schubladeneinlagen
Nach endlosen „Oh guck mal, das wäre doch was fürs Gästezimmer?“ und einem kurzen Ausflug ins Reich der Billy-Regale haben wir uns – gemeinschaftlich entschieden (also meine Frau) – den Laden mit zwei Einlagen für die Küchenschublade zu verlassen. Zwei. Einlagen. Nach vier Stunden. Ich liebe die Ironie.
An der Selbstbedienungskasse dann das nächste Highlight: gekonnt an den IKEA-Hotdogs vorbei. Diese Dinger sind eigentlich total mittelmäßig, aber aus irgendeinem Grund liebt sie jeder. Ich auch. (Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr.)
Der wahre Test der Menschlichkeit: IKEA-Aufzüge
Und dann: die Aufzüge.
Diese kleinen Kästen, die einen vom Erdgeschoss ins Parkhaus bringen sollen.
Was da passiert, ist schwer in Worte zu fassen – aber ich versuch’s trotzdem:
Sobald sich die Türen öffnen, scheint bei manchen Leuten ein Urinstinkt zu greifen. Survival of the Schnellste. Alle Manieren, Erziehung und soziale Intelligenz werden in dem Moment mit voller Wucht in den blauen IKEA-Einkaufssack geworfen. Kinder werden zur Seite gedrängt, ältere Menschen übersehen, fremde Leute fast angeschrien – Hauptsache man steht als Erster im Aufzug.
Und ich frage mich ernsthaft: Warum?
Erster im Aufzug – und dann?
Warum ist es manchen Menschen so unfassbar wichtig, immer und überall als Erste da zu sein?
Was bringt es dir, der Erste auf Etage 3 zu sein – um dann oben, wie eigentlich immer, komplett orientierungslos auf dem Parkdeck rumzuirren, weil du natürlich vergessen hast, wo du deinen silbergrauen VW Polo geparkt hast?
Diesen Polo, in den du gleich – mit der Präzision eines Tetris-Meisters – versuchen wirst, drei Regale, einen Kleiderschrank und 25 Duftkerzen reinzupressen. Also… du versuchst es.
IKEA-Aufzug als Reality-Show
Es ist ein faszinierendes Spektakel.
Manche Leute benehmen sich im Aufzug wie in einer Gameshow: schneller, lauter, aggressiver.
Als würden sie denken, der Fahrstuhl sei eine Art Aufstieg ins persönliche Glück – und nicht einfach nur ein vertikal fahrender Kasten, der uns alle gleich schlecht parkt.
Ich stand da also, mit meinen zwei Schubladeneinlagen und einer ordentlichen Portion innerer Ruhe (auch weil ich wusste, dass ich sowieso nicht gleichzeitig mit meiner Frau und dem Einkaufswagen reinpassen werde), und dachte mir:
Was der IKEA-Aufzug über unsere Gesellschaft verrät
Wenn du wirklich wissen willst, wie es um die Gesellschaft steht – vergiss Talkshows, Kommentarspalten und Debatten. Stell dich einfach an einen IKEA-Aufzug an einem Samstag. Da spielt sich das echte Drama ab.
In diesem Sinne:
Bleibt locker. Lasst den anderen ruhig vor.
Der Aufzug fährt sowieso wieder runter.


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