Lesedauer 3 Minuten

Leider wird dieses Wort viel zu oft und meiner Meinung nach auch inflationär benutzt. Jeder redet davon, dass er sich „committet“, Verantwortung übernimmt oder dass man sich auf ihn verlassen kann. Das Problem ist nur: Wirklich committen tun sich am Ende die wenigsten.

Lasst mich kurz erklären, was ich damit meine.

Wie der ein oder andere vielleicht mitbekommen hat, bin ich seit 2024 Abteilungsleiter in dem American-Football-Verein, in dem ich auch meine komplette „Spielerkarriere“ verbracht habe. Soweit so gut.

Über das Für und Wider einer ehrenamtlichen Tätigkeit muss ich an dieser Stelle nichts mehr sagen. Das habe ich meiner Meinung nach schon oft genug getan. Wer es nicht glaubt: Hier gibt’s den Artikel dazu.
Die wahre Realität des Ehrenamts: Ein Zweitjob ohne Lohn

Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Am 11. Mai stehen bei uns wieder Wahlen der Abteilungsleitung an. Ich für meinen Teil habe schon relativ früh entschieden, dass ich dieses Amt nicht weiterführen werde. Dafür gibt es viele Gründe.

Zum einen reicht mir schlicht die Zeit dafür nicht mehr aus. Ich bin ja auch noch Trainer der Herrenmannschaft und diese Aufgabe werde ich auf keinen Fall hinwerfen. Warum? Weil ich mich zu Beginn der Saisonvorbereitung genau dazu committet habe. Und für mich ist das auch ein Stück weit Ehrensache.

Da sind wir wieder beim Thema Commitment.

Als ich meine Entscheidung getroffen habe, das Amt des Abteilungsleiters nicht weiterzuführen, habe ich Gespräche geführt. Möglichkeiten ausgelotet. Geschaut, wer übernehmen könnte. Kurz gesagt: Ich habe dafür gesorgt, dass dieses Amt auch nach mir weitergeführt werden kann.

So wie es sich meiner Meinung nach gehört.

Früh entscheiden. Offen kommunizieren. Verantwortungsvoll übergeben.

Leider scheint das nicht jeder so zu sehen.

Natürlich gibt es in meiner Abteilung nicht nur mich als Führungsposition. Es gibt Menschen für Finanzen, Cheerleading, Sponsoring, Organisation, Jugend und viele weitere Bereiche.

Und genau da sind wir beim heutigen Thema.

Ich werde bewusst keine Namen nennen. Das gehört sich nicht. Es geht mir nicht darum, jemanden öffentlich anzugreifen. Zumindest ist das normalerweise nicht meine Art.

Zurück zum Thema Jugendleitung und Commitment.

Heute, drei Tage vor der Wahl, erreichte mich folgende Nachricht per Signal:

„Hihi,
ich werde mich am Montag nicht aufstellen lassen.“

Das war’s.

Kein Kontext. Keine Begründung. Kein Vorschlag für einen Nachfolger. Kein „Ich habe mir Gedanken gemacht“. Nichts.

Und da stehe ich jetzt. Drei verdammte Tage vor der Wahl. Faktisch habe ich ab Montag keinen Jugendleiter mehr.

Jetzt könnte ich natürlich sagen:

„Interessiert mich nicht mehr. Ich lege mein Amt ja sowieso ab.“

Aber nein. So funktioniert das für mich nicht.

Ich habe mich diesem Verein irgendwann einmal verpflichtet. Mir liegt dieser Verein am Herzen und natürlich ist mir die Zukunft des Vereins nicht egal.

Das scheint aber leider nicht jeder so zu sehen.

Was bleibt mir jetzt?

Ich bin gezwungen mein komplettes Wochenende zu investieren. Gespräche führen. Möglichkeiten ausloten. Leute anrufen. Einen Notfallplan machen.

Kurz gesagt: Ich muss in drei Tagen einen Jugendleiter finden.

Drei Tage.

Und wir reden hier nicht über irgendeinen kleinen Posten auf dem Papier. Es geht um Kinder. Um Jugendliche. Um Eltern. Um Verantwortung.

Und genau hier sind wir wieder beim Thema Commitment.

Wenn ich mich dazu bereit erkläre ein wichtiges Amt zu übernehmen, dann bedeutet das für mich nicht: „Ich mache das solange bis ich keine Lust mehr habe.“

Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Und wenn ich merke, dass ich diese Verantwortung nicht mehr tragen kann oder möchte, dann kommuniziere ich das rechtzeitig.

Nicht drei Tage vorher. Nicht mit einem Zweizeiler. Nicht ohne Plan.

Natürlich darf jeder aufhören. Niemand ist gezwungen ein Ehrenamt für immer auszuüben. Jeder hat ein Privatleben. Jeder hat Gründe. Jeder darf sagen: „Ich kann oder möchte das nicht mehr.“

Aber dann bitte mit Anstand. Mit Vorlauf. Mit einer Übergabe.

Mit dem Bewusstsein, dass andere Menschen davon betroffen sind.

Denn Commitment bedeutet für mich nicht, dass man sich selbst kaputt macht. Commitment bedeutet aber auch nicht, Verantwortung einfach fallen zu lassen sobald es unbequem wird.

Commitment bedeutet für mich, dass man Dinge sauber zu Ende bringt. Dass man ehrlich kommuniziert. Dass man versteht, dass sich andere Menschen auf einen verlassen.

Denn am Ende sind es immer wieder dieselben Leute, die einspringen müssen. Diejenigen, denen der Verein eben nicht egal ist. Diejenigen, die eigentlich auch mal ein freies Wochenende gebrauchen könnten und trotzdem weitermachen.

Nicht weil sie müssen.

Sondern weil sie sich irgendwann einmal dazu committet haben.

Vielleicht sollten wir alle dieses Wort wieder etwas ernster nehmen.

Nicht als cooles Buzzword. Nicht als leere Floskel.

Sondern als das, was es eigentlich bedeutet:

Verantwortung übernehmen. Und zwar nicht nur dann, wenn es einfach ist.

Denn es gibt Menschen die sich auf einen verlassen. In diesem Fall sind es Kinder.

Und genau deshalb sollte Commitment mehr sein als nur ein Wort das man benutzt solange alles bequem ist.

Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam.

In diesem Sinne.


Entdecke mehr von Original Tyler

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert