Lesedauer 3 Minuten

Heute habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen. Hier hau ich euch mal den Link rein:
https://www.karlsruhe-insider.de/news/nicht-mehr-arbeiten-rente-mit-40-nun-moeglich-in-deutschland-294246

Schon die Überschrift hat mich neugierig gemacht:
„Nicht mehr arbeiten: Rente mit 40 nun möglich in Deutschland“

Wow, das wäre doch mal was.
Hätte mir das mal einer vor einem Jahr gesagt, dann könnte ich schon seit ganzen 12 Monaten am Rhein sitzen und Enten füttern.

Aber halt, wir müssen erst den Artikel zu Ende lesen, bevor wir uns freuen.

Dann lasst uns doch mal schauen, wie auch ich es schaffe, jetzt schon in Rente zu gehen.

80 Prozent seines Einkommens müssen gut investiert werden.
Natürlich müssen die Lebenshaltungskosten auf ein Minimum reduziert werden.
Das heißt: keine Hobbys, keine Reisen, keine unnötigen Ausgaben.

Also halten wir fest:
Keinen Spaß am Leben haben. Naja, wer so leben möchte.

Außerdem eine sehr wichtige Voraussetzung: schon in sehr frühen Jahren ein sehr gut bezahlter Job.
Frugalisten nennen sich die Anhänger dieser Lebensweise.

Lasst uns nochmal durchgehen, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um mit 40 in Rente zu gehen.

  • Sehr gut bezahlter Job
  • 80 Prozent des Einkommens möglichst krisensicher anlegen
  • Ausgaben auf ein Minimum reduzieren

Das hört sich doch einfach an, oder etwa nicht?

Wer hat denn nicht mit 17 schon einen Job, bei dem er circa 100.000 € brutto bekommt?

Natürlich können wir Abi und Studium knicken, da uns sonst die Zeit nicht mehr reicht, um das Kapital anzusparen, damit ich mit 40 in Rente gehen kann.

Lasst uns das mal durchrechnen.

Gehen wir mal davon aus, wir schließen die Schule mit 17 Jahren ab.
Wie gesagt, länger geht einfach nicht, weil Zeit und so.

Auf eine Ausbildung verzichten wir, weil ein Ausbildungsgehalt nicht in unseren Plan passt.

Wir sind also 17 Jahre alt und ganz zufällig bekommen wir von irgendeiner Firma einen Job, sagen wir mal als CEO.
100.000 € Jahresgehalt, brutto versteht sich.

Natürlich zahlen wir Steuern, also bleiben uns rund 58.000 € netto.
Das entspricht circa 4.800 € netto im Monat.

Hört sich erstmal klasse an.

ABER…

Davon wollen wir ja 80 Prozent sparen bzw. investieren.
Das heißt, von unseren 4.800 € legen wir direkt mal 3.840 € zur Seite.

Bleiben uns noch 960 €.

So, und jetzt geht es schon los.

960 € im Monat? Da brauchen wir nicht einmal darüber nachdenken, ob wir ein Hobby oder einfach ein Leben haben wollen.
Wir haben noch keine Wohnung, wir haben noch nichts gegessen.

Aber spinnen wir das Ganze mal weiter.

Sagen wir, von diesen 960 € geben wir die Hälfte aus. Irgendwas müssen wir essen.

Bleiben rund 500 € jeden Monat. Das sind 6.000 € im Jahr.

Super, ich habe zwar in unserem Gedankenexperiment nichts gegessen und geschlafen habe ich auf der Straße, aber sei es drum.

Diese 6.000 € möchte ich jetzt gewinnbringend, aber natürlich möglichst risikofrei investieren.
Also sagen wir, wir investieren in einen Welt-ETF, zum Beispiel MSCI World.

Rendite, sagen wir mal großzügig, 7 bis 8 Prozent im Jahr.

Ergibt nach 23 Jahren ein Vermögen von ungefähr 300.000 € bis 350.000 €.

Nagelt mich bitte nicht auf die Zahlen fest, ich bin absolut kein Experte in solchen Sachen. Wenn sich jemand besser auskennt, darf er mich gerne korrigieren.

Aber zurück zu unserem Gedankenexperiment.

Ich bin also 40 Jahre alt und habe ein Vermögen von 350.000 € angespart.
Außerdem habe ich einen Mordshunger und eine Wohnung wäre auch mal was Feines. Egal.

Ich habe also mein Vermögen.

In Deutschland werden Männer im Schnitt etwa 78 bis 80 Jahre alt.
Sagen wir, wir werden 80 Jahre alt.

Ich überschlage das kurz im Kopf.

Der findige Leser hat sofort herausgefunden, dass wir bis ans Ende unserer Tage monatlich etwa 730 € zur Verfügung haben.

Aber wir sind mit 40 in Rente gegangen. Wir sind Frei. Work-Life-Balance rockt!
Wir bekommen jetzt noch keine gesetzliche Rente. Darauf müssen wir noch 23 Jahre warten.

Dann wären es nach Abzügen vielleicht circa 1.300 €. Das heißt, wir haben irgendwann mal vielleicht 2.000 € zur Verfügung. Aber halt erst mit ü60.

Jetzt mal im Ernst, Leute.

Gedankenexperimente hin oder her, aber man sollte die Kirche mal im Dorf lassen.

Wer glaubt denn wirklich daran, dass sowas nur ansatzweise für normale Menschen funktionieren kann?

Wenn ich natürlich mit 17 Jahren 1 Million € von meiner steinreichen Omi erbe, dann mag das funktionieren mit der Rente ab 40.

Ich verstehe nicht, warum es ernsthaft Menschen gibt, die sich mit solchen Sachen beschäftigen, als wäre das ein realistischer Plan.

Ok, ich gehöre ab heute offiziell dazu.
Tut mir leid.

Sind wir doch mal realistisch.

Wir werden weiterhin bis mindestens 67 Jahre arbeiten müssen.
Vielleicht auch länger, wer weiß, was da noch auf uns zukommt.

Wir stehen weiterhin um 7 Uhr morgens auf, fahren ins Büro oder auf die Baustelle
und buckeln bis wir umfallen.

Oder zumindest fast. Mit 70 Jahren.

Das war’s für heute. Morgen ärgern wir uns wieder gemeinsam.

In diesem Sinne


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