Von der Pandemie-Idee zum Kunden-Praktikum
Ich weiß nicht mehr genau, wann diese Dinger aus der Hölle bei uns gelandet sind.
Vermutlich in der Pandemie – als man uns alles verkaufen konnte, solange irgendwo „kontaktlos“ draufstand.
Offizielle Story: „Geht schneller, ist moderner.“
Echte Story: „Warum für Kassierer bezahlen, wenn der Kunde die Arbeit gratis macht?“
Willkommen in der neuen Welt, in der „Der Kunde ist König“ bedeutet: Krone auf, Schürze um, ab an die Arbeit.
Level 1: Parkplatz und Ninja-Training
Wir betreten den Supermarkt unseres Vertrauens.
Also den, dessen Name klingt wie ein Scrabble-Gewinn mit vier roten Buchstaben.
Auf dem Parkplatz schnappe ich mir einen Einkaufswagen. Kein Pfand mehr nötig – was früher die Jugend zum spontanen Wagen-Rennen animiert hätte.
Hätten die das in den 90ern eingeführt, gäbe es heute einen olympischen „Einkaufswagen-100-Meter-Sprint“.
Tür auf. Direkt Boss-Level eins: Zwei ältere Damen im Eingangsbereich. Kein Kaffee, aber Kaffeeklatsch deluxe.
Sie stehen da wie Endgegner in einem Nintendo-Spiel – nur langsamer, aber strategisch perfekt platziert.
Ich schlängele mich vorbei, als würde ich bei Ninja Warrior den Supermarkt-Parcours meistern.
Level 2: Star Trek im Gemüsebereich
„Halt, wir brauchen so einen Selbstscanner!“, ruft meine Frau.
Alles klar. Ich greife zu diesem Gerät, das aussieht wie ein Star-Trek-Phaser.
Erste Amtshandlung: „Phaser auf Betäubung, Mr. Spock.“
Offensichtlich ist das nicht der vorgesehene Anwendungsbereich.
Dann mein Einsatz: 3 Bananen, 1 Pfund Butter, 4 Liter Milch, abgepacktes Brot.
Ich fühle mich wie ein Cowboy, der seine Pistole zieht – nur dass ich nicht schieße, sondern piepse.
Jeder Scan ein Treffer. Ich bin der Clint Eastwood der Kassenzone.
Level 3: Das Kassen-Desaster
Endlich am Ausgang. Hier soll der Vorteil kommen: Kein Anstehen, kein Warten – einfach zahlen und raus.
Theorie schön und gut.
In der Praxis: Scanner über das Lesegerät ziehen – 1x… nichts. 2x… nichts. 3x… immer noch nichts.
Dann taucht sie auf – eine Mitarbeiterin, die den Gesichtsausdruck von „Das passiert hier ständig“ trägt.
„Da müssen wir mal schauen.“
Übersetzung: „Das hier wird jetzt doppelt so lange dauern.“
Ergebnis: Alles wieder auspacken, aufs Kassenband legen, von Hand neu scannen lassen.
Sie tippt, sie piept, sie nennt mir den Betrag – und ich denke nur: Was zur Hölle habe ich hier gerade gemacht?
Zeitersparnis? Eher Zeitvernichtung.
Ich renne durch den Laden, mache euren Job – nur damit ihr am Ende euren Job trotzdem nochmal macht.
Das ist, als würde ich mein Auto selbst reparieren und dann in die Werkstatt fahren, damit sie es wieder auseinanderbauen und neu zusammenschrauben – und am Ende noch die volle Rechnung stellen.
Die große Supermarkt-Illusion
Selbstscanner-Kassen sind wie eine Diät, bei der man abnimmt, indem man nur noch Kuchen isst:
Klingt gut, funktioniert nicht, und am Ende bist du nur frustriert.
Sie versprechen: „Alles wird einfacher.“
In echt: Du wirst Kassierer, Wareneinräumer und IT-Support in einer Person – unbezahlt.
Mein Fazit
Ich will ja nicht sagen, dass alle Trends schlecht sind.
Aber das hier ist wie ein IKEA-Billy-Regal ohne Anleitung:
Am Anfang hast du Bock, in der Mitte bist du wütend, und am Ende fragst du dich, warum du es überhaupt gemacht hast.
Mein Tipp: Geht zu dem großen gelb-blauen A.
Da gibt es noch echte Kassen mit echten Menschen, die dir „Schönen Tag noch“ sagen – und nicht nur „Artikel bitte in den Ablagebereich legen“.
In diesem Sinne: Scanner aus, Feierabend.


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