Wann ist ein Arzttermin nur noch eine grobe Schätzung?
Kann mir mal einer verraten, wann genau ein Arzttermin zu einer groben Schätzung verkommen ist? So nach dem Motto: „Wir sagen einfach mal 12 Uhr, aber fühlen uns nicht dran gebunden. Vielleicht klappt’s, vielleicht auch nicht – Überraschung!“
Ich mein’s ernst: Ich hatte am Montag einen Termin beim Orthopäden. Nicht Notaufnahme, nicht spontan, sondern fein säuberlich Wochen vorher telefonisch vereinbart. 12 Uhr. Smart gelegt, direkt in meine Mittagspause – so verpasse ich kaum Arbeitszeit und kann mich trotzdem um meine angeschlagene Schulter kümmern. Win-win, dachte ich. Aber wie so oft: dumm gedacht.
Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk – und dann
Ich also 11:45 Uhr da – pünktlich. Anmeldung, Versichertenkarte, freundliches Nicken.
„Nehmen Sie bitte noch kurz im Wartezimmer Platz.“
„Kurz“ – ein Wort, das bei Ärzten offenbar eine völlig andere Bedeutung hat.
Das Wartezimmer? Randvoll. Menschen mit schmerzverzerrten Gesichtern, eingewickelten Knien, verkrampften Rücken und einer Mischung aus Hoffnung und Resignation.
12 Uhr.
12:30 Uhr.
13 Uhr.
Ich habe einen Termin!
Wollte ich fast rufen. Stattdessen innerlich Bingo gespielt: „Wie viele Bandscheiben-Patienten sind noch vor mir?“
Behandlungszimmer statt Behandlung
Endlich, mein Name. Halleluja.
Ich werde in Behandlungszimmer 3 geparkt.
„Der Doktor kommt gleich.“
„Gleich“ – das Lieblingswort deutscher Arztpraxen.
Ich sitze allein in einem Raum, der aussieht wie eine IKEA-Musterwohnung für sterile Langeweile. Weitere 45 Minuten. Keine Info, kein „Sorry“.
20 Minuten Gespräch – 2 Stunden Wartezeit
Als der Doktor schließlich kommt, hat er immerhin eine Entschuldigung auf den Lippen. Trotzdem frage ich mich:
- Wie kann ein vereinbarter Arzttermin weniger wert sein als ein spontaner Friseurbesuch?
- Warum ist das die Norm geworden?
2 Stunden und 15 Minuten nach dem eigentlichen Termin stehe ich wieder draußen.
Und das Beste: Wenn DU 10 Minuten zu spät bist, kannst du heimgehen oder dich hinten anstellen. Pünktlichkeit scheint nur in eine Richtung zu gelten.
Arzttermine wie Billigflüge
Ich will ja gar keine Punktlandung. Aber ein Arzttermin, der sich wie ein verspäteter Billigflug anfühlt, ist keine Lösung.
Ein bisschen Planung, ein bisschen Struktur – oder sagen wir einfach: ein bisschen Respekt gegenüber der Zeit der Patienten – wäre schön.
Denn die haben auch ein Leben. Und das spielt sich selten im Wartezimmer ab.


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